Der Kuss der Muse

Kontostand:                  -510,34

Ausgaben:                     00,00

Einnahmen:                   00,00

Verwendungszweck:       –

Ich sitze im Garten und warte darauf, dass mich eine der Musen küsst, eine der neun Schutzgöttinnen der Künste aus der griechischen Mythologie:

  • Klio, die Muse der Geschichtsschreibung
  • Melpomene, die Muse der Tragödie
  • Terpsichore, die Muse des  Tanzes
  • Thalia, die Muse der Komödie
  • Euterpe, die Muse der Lyrik
  • Erato, die Muse der Liebesdichtung
  • Urania, die Muse der Sternkunde
  • Polyhymnia, die Muse des Gesangs
  • Kalliope, die Muse der epischen Dichtung, der Rhetorik, der Philosophie und der Wissenschaft

Nach einigem vergeblichen Warten, beschließe ich, wieder etwas zielgerichteter und systematischer beim Entwickeln einer Idee vorzugehen. Meistens sind Ideen nicht die spontanen Einfälle, für die man sie immer hält, sondern Ergebnisse unterbewusster Prozesse, die, nach langer, systematischer Überlegung, an die Oberfläche der Gedanken dringen. Dies geschieht besonders häufig in einem so genannten enriched environment (Faltin, Kopf schlägt Kapital, S. 31), in dem man sich für verschiedenste Ideen öffnet – am besten dadurch, dass man gerade keiner direkt zielgerichteten Tätigkeit nachgeht. Dies jedoch mit einer gewissen Beharrlichkeit.

Irgendwann beginnt dann eine Idee, Gestalt anzunehmen. Ob diese in ihrer ersten Form jedoch praxistauglich ist, wird sich später noch herausstellen – durch eine gewisse Hartnäckigkeit, mit der man über sie nachdenkt. So kann sich mit der Zeit aus der ersten Gestalt der Idee ein gegliedertes Ganzes entwickeln.

Ich recherchiere, was man genau unter Gestalt versteht: Der Ausdruck – in seiner wissenschaftlichen Verwendung – geht zurück auf Friedrich Sander, den Hauptvertreter der Leipziger Schule der Gestaltpsychologie. Sander versuchte Anfang des 20. Jahrhunderts, den Begriff Gestalt zu präzisieren und definierte Gestalt als Definition des Begriffs Gestalt „gegliederte Ganzheit“.

Die Geometrie funkte ihm jedoch gehörig dazwischen: Einen Kreis konnte Sander zwar als Ganzheit ausmachen, jedoch keine Gliederung. Kurzerhand definierte er den Begriff Gestalt um und sprach nun von einer „fließender Gliederung“. Wissenschaftlich gesehen, war dies kein Fortschritt, da ein Kreis auch nicht fließend gegliedert ist.

Friedrich Sander gelang es – ganz im Gegenteil zu seinem ursprünglichen Vorhaben – den Begriff Gestalt weiter zu entschärfen, indem er als Synonyme die Begriffe Form, Figur und Gebilde, Sinneserfahrung, Produktion, Einheit, Organisation, Struktur und noch weitere verwendete. Bis der Begriff Gestalt in der wissenschaftlichen Bedeutungslosigkeit versank.

Eigentlich schade.

In Bezug auf die Idee, die schließlich zum Erfolg führen soll, heißt das konkret:  Ausgehend von einer allgemeinen, diffusen Idee die Gestalt weiter entwickeln bis zu einer gegliederten Ganzheit – und gleichzeitig einen systematischen Wechsel der Gestalt zu provozieren. Dieser Wahrnehmungswechsel ist entscheidend, um verschiedenste Aspekte einer Idee zu beleuchten und schließlich ein ausgereiftes Konzept zu entwickeln.

Ich warte weiter auf den Kuss einer Muse.

Er kommt nicht.

Noch nicht.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gestaltpsychologie; http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Necker-wuerfelrp.png&filetimestamp=20050211220300


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: