Monatsarchiv: Juni 2011

Gipfelsturm

Kontostand:                  -1010,34

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Verwendungszweck:       –


Wir erleben immer wieder, dass erfolgreiche Menschen sich bewusst in eine Muss-Situation bringen. Sie verpflichten sich öffentlich. Sie bringen sich an den Punkt, an dem sie alle Menschen um sich herum wissen lassen: “Ich werde auf diesen Berg steigen. Entweder siehst du mich oben vom Gipfel winken oder tot im Tal liegen.“ (Der Weg zur finanziellen Freiheit, S. 75)

Isi hat unseren Kontostand angeschaut und mich in eine Muss-Situation gebracht.

Wenn ich so weiter mache, dauert es nicht lange, bis ich tot im Tal liege.

Erschlagen von Isi.

Mit Kontoauszügen.

Foto: Scheiter.W

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hochkalter_Gipfel.jpg


reich zu sein fühlt sich gut an

Kontostand:                  -1010,34

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Verwendungszweck:       –

Fehler sind immer zu verzeihen, wenn man den Mut hat, diese auch zuzugeben.

– Bruce Lee

Syl hat mich zu einem Geschäftsessen mit “seinen“ Amerikanern eingeladen.

Der Grund: Sein Auto war kaputt. Er hatte es gerade noch bis zu uns geschafft, dann ging überhaupt nichts mehr. Also wollte er sich unser Auto ausleihen („öffentliche Verkehrsmittel bei Geschäftsterminen scheiden aus“ lernte ich von Syl). Da ich erst die Kindersitze ausbauen musste, mussten die Geschäftspartner kurz warten und vergnügten sich die Zeit beim Kickerspielen.

Foto: Bruce McAdam Reykjavik, Iceland

 

Höflich wie ich bin, ließ ich die Gäste gewinnen (obwohl ich von Orell trainiert war: Kein Auge dem Feind). Sie dankten mir den freundlichen Zug, indem sie meinten, ich sollte doch mitkommen zum Essen. Syl schaute zwar ein wenig irritiert, aber ein Zwei-Sterne-Essen ließ ich mir natürlich nicht entgehen.

Am Restaurant angekommen, fiel Syl auf, dass er sein Jackett in seinem eigenen Auto hatte liegen lassen – mit Geld und Kreditkarte.

Jetzt war der Zeitpunkt des Triumphes gekommen: Meine Hose hatte nicht nur messerscharfe Bundfalten sondern auch 500€ in der Tasche.

Reich zu sein fühlt sich wirklich gut an.

Souverän bot ich Syl an, die Rechnung zu übernehmen.

Er nahm dankend an.

Die Amerikaner tranken eine Flasche Wein nach der anderen. Für 100€ das Stück. Zum Glück übernahmen sie zum Schluss die Rechnung. Ich wette, 500€ hätten nicht gereicht.

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sprengisandur_bus_breakdown_by_Bruce_McAdam.jpg


Sabbatjahr

Kontostand:                  -1010,34

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Das Wertvollste im Leben ist die Zeit… Leben heißt, mit der Zeit richtig umgehen.

–        Bruce Lee

Was würdest du tun, wenn du ein Jahr zur freien Verfügung hättest (und trotzdem alle Rechnungen bezahlen könntest?)

Wie würdest du mit der Zeit umgehen?

Würdest du sie richtig nutzen?

Das Sabbatjahr (englisch Sabbatical) geht zurück auf einen Abschnitt der Tora. Im 3. Buch Mose heißt es hier:

Und der Herr sprach zu Mose auf dem Berg Sinai: Rede mit den Kindern Israel und sag zu ihnen: Wenn Ihr in das Land kommt, das ich Euch geben werde, dann soll das Land dem Herrn einen Sabbat feiern, eine Ruhezeit. Sechs Jahre sollst Du Dein Feld besäen und sechs Jahre Deinen Weinberg beschneiden und die Früchte einsammeln. Aber im siebten Jahr soll das Land dem Herrn einen feierlichen Sabbat halten. Da sollst Du Dein Land nicht besäen und auch Deinen Weinberg nicht bearbeiten. (3. Mose 25,1-4)

Foto: Hamed Saber from Tehran, Iran

Heutzutage wird tatsächlich das Sabbatjahr (nachdem man 6 Jahre gearbeitet hat) dazu verwendet, eine Auszeit vom regulären Berufsleben zu nehmen und sich zu regenerieren, die Akkus wieder aufzuladen.

Der römische Historiker und Senator Tacitus (58 n. Chr. –  120 n. Chr.) allerdings war dem Sabbatjahr gegenüber skeptisch: „Septinium quoque annum ignaviae datum“.

Ein Online Lateinwörterbuch klärt auf, dass ignavia die Faulheit ist.

Tacitus fand das nicht gut.

Bruce Lee hätte es bestimmt auch nicht gut gefunden.

Der Pelikan schon.

Ich verwende meine Zeit, um das Ziel 1 Million Euro zu erreichen.

Ich hoffe, die Zeit ist nicht verschwendet.

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lazy_Pelican.jpg; http://de.wikipedia.org/wiki/Sabbatical


Aktien und Anlage

Kontostand:                  -1010,34

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Bodo Schäfer empfiehlt auch, sein Geld in Aktien anzulegen.

Spekulieren fällt jedoch aus – ich will durch Ideen 1 Million Euro verdienen und nicht durch irgendwelche riskanten Spekulationen 1 Million Euro verlieren.

Bodo Schäfer meint, dass Aktiengeschäfte ganze einfach sind:

„Sie sind nicht für alle Ereignisse verantwortlich, aber Sie sind immer dafür verantwortlich, wie Sie die Ereignisse interpretieren und wie Sie darauf reagieren“ (S. 49)


Foto: Katrina.Tuliao http://www.flickr.com/photos/thewalkingirony/3051500551/

Ich habe den Niedergang des Neuen Marktes zur Jahrtausendwende erlebt und den Bankencrash im ersten Jahrzehnt danach.

Aktienspekulationen sind mir persönlich zu riskant.

Außerdem benötigt man dafür Startkapital, das ich nicht habe.

Ich könnte höchstens meinen 500€ Schein einsetzen. Aber für 500€ würde man nicht sehr viele Aktien bekommen. Außer chinesische Cent-Aktien.

Und ich würde mich dann nicht mehr so gut an Reichtum und Wohlstand gewöhnen können, wenn ich den 500er ausgeben würde.

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Philippine-stock-market-board.jpg


Synchronisation

Kontostand:                  -1010,34

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Verwendungszweck:       –


Bodo Schäfer schreibt, dass unsere Werte und Ziele müssen übereinstimmen müssen, ansonsten treten wir auf der Stelle (S. 31).

Eingehende Analyse zeigt, dass es zu meinen Werten gehört, dass es mir (bzw. uns) gut gehen soll, dass ich Konsumgüter genießen will (ohne schlechtes Gewissen), dass ich humanistische Grundwerte nicht außer Acht lasse – und trotzdem dabei mein Ziel von 1 Million Euro erreiche.

Ich muss es also schaffen, meine Werte und Ziele zu synchronisieren.

Die Entscheidung, von welchen Werten ich mich leiten lasse und wo die Grenzen sind, steht fest – erst so gelingt es, die Kontrolle zu behalten.

Später: Bandprobe

Heute hat es richtig gegroovt!

Isi und ich, die Rhythmussektion, haben so richtig gut zusammen gespielt.

Zumindest hier gelingt eine gewisse Synchronisation.

Foto: Matje Power

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_102-14028,_Berlin,_Synchronschwimmen_der_Damen.jpg; http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Double_groove.jpg


Reichtum

Kontostand:                  -1010,34

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Verwendungszweck:       –


Isi hat die Bleistifte gefunden.

Nicht gut.

Das Wort Reichtum bezieht sich auf die Verfügbarkeit von materiellen oder immateriellen Gütern, welche das Leben bereichern. Heutzutage wird Reichtum häufig quantitativ auf Geld und Besitztümer bezogen, lässt sich aber grundsätzlich nicht auf materielle Güter reduzieren. Das entsprechende Adjektiv lautet reich (engli.: rich).

Foto: Sean Whitton (User:Xyrael)

Come to the rich side – we have cookies.

Reichtum bezeichnet den Überfluss an geistigen oder gegenständlichen Werten, insbesondere die Tatsache des Besitzes von materiellen Gegenständen. Die Bedeutung geistigen Reichtums wird häufig unterschätzt, lässt sich aber aus materieller Sicht kaum darstellen. Gesellschaftlich gesehen erfordert Reichtum die allgemein akzeptierte Übereinkunft, dass Dinge, Land oder Geld jemandem gehören und dass dieses Eigentum geschützt wird. Das Verständnis von Reichtum unterscheidet sich in verschiedenen Gesellschaften.

Das Gegenteil von Reichtum ist die Armut.

Später: Buße.

Bin noch mal zu Ikea geradelt (im Regen!) und habe heimlich die Bleistifte wieder zurückgelegt.

Ironie: Eine Ikea-Beraterin (nennt man die so?) hat mich dabei gesehen und tatsächlich gemeint, ich würde die Bleistifte klauen!

Ich war empört und kurz davor, ihr meine 500€ zu zeigen. Wer 500€ in der Tasche hat, der hat es nicht nötig, Ikea-Bleistifte zu klauen. Sie hat das wahrscheinlich schon erahnt und ließ mich unbehelligt gehen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Reichtum; http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rich_tea.jpg


Die 1€ Herausforderung

Kontostand:                  -990,34

Ausgaben:                     00,00

Einnahmen:                            20,00

Verwendungszweck:       Käpt’n Blaubär Spardose geplündert


Isi tut mir den gefallen und spart beim Essen: In einem Internetforum (www.chefkoch.de) hat sie Tipps gefunden, wie man für 1€ pro Person, pro Tag kochen kann. Überwiegend gibt es jetzt Kartoffeln, Reis und Nudeln. Ich hoffe, die Kinder nehmen davon keinen Schaden. Obwohl sie sauer sind, weil sie keine Schokolade mehr bekommen.

Bodo Schäfer schlägt etwas moralisch verwerfliches, um nicht zu sagen asoziales vor: Man soll sich zunächst Geld ausleihen. Anstatt monatlich dann die abgemachte Summe zurückzuzahlen, zahlt man nur die Hälfte zurück – die andere Hälfte spart man, ohne dass es jemand weiß. Irgendwann meldet man dann Konkurs an, und gibt eine eidesstattliche Erklärung ab, dass man die ausgeliehene Summe nicht mehr zurückzahlen kann. Man einigt sich auf einen Vergleich über eine Summe, die wesentlich niedriger als die ursprünglich ausgeliehene Summe ist. Der Gewinn ist dann die Summe, die man heimlich beiseite geschafft hat (130 ff.).

Schäfer meint sogar: „Diese Strategie sind Sie sich selbst, Ihrer Gesundheit und Ihrer Familie schuldig.“

Recht hat er.

Ich klaue unseren Kindern 20€, die sie in ihrer Käpt’n Blaubär Spardose haben. Das bin ich mir selbst, meiner Gesundheit und meiner Familie schuldig.Schäfer nennt das OPM (Other People’s Money).

Später.

Bin (mit dem Fahrrad!) zu Ikea gefahren und habe Bleistifte geklaut. Warum welche kaufen, wenn es sie hier umsonst gibt?

Noch später.

Isi ist wütend. Die Kinder haben bemerkt dass die Käpt’n Blaubär Spardose leer ist: Ich hatte sie nicht an den ursprünglichen Platz auf Regal zurückgestellt. Eine Staubschicht hat mich verraten. Außerdem hatten die Kinder ein Haar an die Spardose geklebt, anhand dessen man feststellen kann, ob sie geöffnet wurde!

Diese misstrauischen Bengel!


Konsumgüter sind unnötig.

Kontostand:                  -1010,34

Ausgaben:                     400,00

Einnahmen:                            00,00

Verwendungszweck:       Rücküberweisung meiner Spareinlage


Bodo Schäfer meint: Konsumgüter sind unnötig. Verkaufen Sie Dinge, die sie nicht brauchen.

Das originale Set mit Qui-Gonn Jin und Darth Maul hat mal 10 Deutsche Mark gekostet, mittlerweile wäre es 65€ wert! Hätte ich es nur aufbehalten, ungeöffnet, versteht sich. Die Kinder haben sich sofort darüber hergemacht. Darth Maul ist schon in den ewigen Weiten des Weltalls verschwunden und bisher nicht mehr aufgetaucht (Internetrecherche zeigt, dass für Lego Darth Maul Figur aktuell preise von über 20€ bezahlt werden).

Fazit: 65 verschwendete Euro.

Orell meint: Die Inflationsrate mit einberechnet, ist die Wertsteigerung über 13 Jahre nicht so enorm. Reich werden kann man damit nicht. Ich suche nach anderen Dingen, die ich verkaufen kann. Nach teuren Dingen. Leider haben wir zu Hause keine teuren Dinge.

Isis Küchenmaschine?

Den Kicker?

Mein Schlagzeug?

Was nützt mir all der Reichtum, wenn ich mir davon nicht das kaufen kann, was ich wirklich will. Konsum ist so gesehen für mich wichtig – und für die Kinder auch!

Im lokalen Kleinanzeiger gefunden: 17kg Lego für 100 Euro.

Internetrecherche ergibt, dass 12-15 Euro pro Kilo ein guter Preis für gebrauchtes Lego ist. Trotzdem verhandle ich mit der Frau, die zwei Ikea-Tüten voll Lego ihrer beiden Söhne verkauft:

Sie: 120 Euro

Ich: 90

Sie: 110

Ich: Sagen wir 100 – dann kann ich bei meiner Frau behaupten, ich hätte 99 gezahlt, das wäre dann noch zweistellig.

Sie [verständnisvoll nickend]: Männer und Lego!

Ich bin ein ausgefuchster Verhandlungspartner.

Bodo Schäfer wäre stolz auf mich.

Konsumgüter sind unnötig.

Machen aber Spaß.


1083657 Euro

Ausgaben:                     00,00

Einnahmen:                            400,00

Verwendungszweck:       Spareinlage

 

Lukas und Orell.

Espresso.

Kickern.

Ich erzähle den beiden von meinem gestrigen Erlebnis.

Lukas bietet an, sich von mir aussortieren zu lassen – wenn’s der Sache dient. Wenn ich die Million habe, ist er gerne bereit, wieder mein Freund zu sein.

Das sind wahre Freunde.

Mit solchen Leuten kann ich es tatsächlich schaffen.

 

Weiter: Bodo Schäfer.

Gegen Ende des Buches empfiehlt Bodo Schäfer, 10% des Einkommens einfach zu sparen. Er meint, das sei kein Problem. Man wird dann Millionär durch das, was er das Wunder des Zinseszins nennt und in einer Tabelle veranschaulicht. Hier ist aufgeschlüsselt, wie viel Geld man wie lange bei welchem Zinssatz anlegen muss, um eine bestimmte Rendite zu erhalten (S.189).

Praktisch.

Neugierig schaue ich nach: Ich muss nur jährlich 1000€ beiseite legen, diese mit einem Zinssatz von 15% verzinsen, dann habe ich nach 50 Jahren 1083657 Euro! Das sind glatte 83657 Euro mehr als ich mir vorgenommen habe.

 

Orell mit seinem scharfen Mathematikerverstand rechnet aus, dass ich in 50 Jahren 90 bin. Wenn ich denn so lange lebe.

Lukas, der alte Sparfuchs, meint, dass es eventuell ein Problem geben könnte, einen Zinssatz von 15% bei einer Bank herauszuholen.

Isi bringt schließlich das ganze Kartenhaus, auf dem mein zukünftiger Reichtum gebaut ist, zu Fall und meint, wir haben keine 1000€, die wir sparen können.

Misto.

Später: Ich will Isi das Gegenteil beweisen und überweise 400€ auf unser Notfallkonto. Ich wette, sie merkt es nicht.

Noch später: Isi war rasend. Sie meinte, ich hätte die 400€ ausgegeben. Im Kreuzverhör gestand ich, dass ich das Geld aufs Projektkonto überwiesen habe. Das beruhigte sie nur wenig: „Wovon sollen wir denn unser Essen bezahlen?“

Essen ist überbewertet.

Ich überwies das Geld wieder zurück.


Freunde aussortieren

Kontostand:                  -1010,34

Ausgaben:                     00,00

Einnahmen:                            00,00

Verwendungszweck:       –

 

Heute ist etwas passiert, das interessant und beängstigend zugleich war.

Ein alter Bekannter kam am frühen Nachmittag unvermittelt vorbei und schlug einen Abstecher in den Biergarten vor – um das schöne Wetter zu genießen.

Ich unterhalte mich ganz gerne mit Harald, allerdings darf man das, was er immer so erzählt nicht so ganz ernst nehmen. Seit einiger Zeit versucht er, Unternehmer zu werden. Das fing damit an, dass er sich übers Internet Kataloge von chinesischen Firmen besorgte: Hier wird alles angeboten, von Mountainbikes über Katzennierendeckchen bis hin zu Mini-Leselupen mit Licht. In einer entsprechenden Menge bestellt sind die Dinge sogar vergleichsweise billig. Eine entsprechende Menge kann schon mal 10 000 Stück sein.

Bezüglich seiner Geschäftsideen ist Harald eher intuitiv – d.h. er entscheidet vollkommen ohne Marktkenntnis oder Vorwissen, welche Waren ihm gefallen, und die importiert er dann in großen Stückzahlen, um sie in Deutschland zu verkaufen.

Leider liegt er mit seinen Intuitionen oft falsch: Sein erster Versuch war es, chinesische Freisprechanlagen für Handys zu verkaufen. Die Dinge wurden einfach ans Autoradio, bzw. ans Handy angesteckt und schon konnte man über die Autolautsprecher das Handygespräch empfangen. Leider sendete das Gerät so stark, dass das Handygespräch auch im Auto vor einem empfangen werden konnte.

Als Harald die Freisprechanlagen bei einem Internetauktionshaus verkaufen wollte, wurde eine Regulierungsbehörde aufmerksam und bestellte undercover ein Probeexemplar. Es stellte sich heraus, dass Harald illegale Radiosender mit einer Reichweite von ca. 20m verkaufte.

Fazit: Geldstrafe von 10 000 Euro.

 

Haralds nächstes Projekt war es, Samuraischwerter zu importieren. Wieder hatte er den Katalog der chinesischen Firma aufgeschlagen, da waren ihm die Schwerter aufgefallen. Kurzerhand entschloss er sich, einen Container (5000 Stück) Samuraischwerter zu importieren.

Er bezahlte im Voraus und hörte zunächst einmal 3 Monate nichts mehr von der chinesischen Firma. Dann kam der Anruf, sein Container sei bereit zur Abholung. Im Hamburger Hafen. Panikartik organisierte Harald eine Spedition, die die Schwerter abholte und an einen Autobahnparkplatz in der nähe lieferte – der LKW-Fahrer lud die Schwerter aus und fuhr weg. Harald fuhr geschätzte 200 Mal zum Parkplatz (Autobahnausfahrt rauf – Parkplatz – nächste Autobahnausfahrt runter) und lagerte schließlich die Schwerter bei ihm zu Hause.

Als er versuchte, die Schwerter übers Internet zu verkaufen, wurde er darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um Waffen handelt (Klinge geschliffen und spitz, Länge: 75 cm).

Harald hat immer noch eine Wohnung voll Schwerter und ist damit wohl einer der gefährlichsten Männer Deutschlands.

 

Harald hat jetzt grundsätzlich weniger Zeit, das wollte er mir bei diesem Treffen mitteilen, denn er verkehrt jetzt in anderen – gehobeneren, wie er sich ausdrückte – Kreisen. Er hat Leute kennen gelernt, die so denken wie er. Unternehmerisch. Die Visionen haben. Die reich sind. Die ihn unterstützen bei seinen Plänen.

Harald ist jetzt Schuhhändler. Er importiert italienische Markenschuhe aus – Thailand. Er will sie erst in unserem Ort verkaufen, dann in München, Frankfurt und Berlin und schließlich in der ganzen Welt. 5 Container sollen in 3 Monaten geliefert werden. Zahlung bereits erfolgt.

Ich äußerte vorsichtig Kritik: Was sagt der Zoll zu thailändischen Plagiaten italienischer Markenschuhe? Sind die Container versichert? Wo sollen die Schuhe gelagert werden (die Wohnung ist ja bereits besetzt)? Wie soll der Verkauf funktionieren? Hat Harald überhaupt genügend Zeit, sich mit dem Vertrieb zu beschäftigen? (Hierzu meinte er, er mache den Verkauf erst selbst, dann stelle er zehn Leute auf 400€-Basis ein, dann noch ein paar Vollzeitkräfte und schließlich brauche er nur noch all seine Läden abzuklappern und das Geld einzusammeln). Wie das Marketing? Wie sieht die Konkurrenz aus?

Harald hörte sich alles aufmerksam an, nickte dann bestätigend, trank sein Bier aus und nickte wieder. „Hab ich mir schon gedacht“, meinte er schließlich, „du bist so negativ, du ziehst mich nur runter.“ Er deutete der Bedienung, zahlte und stand auf. „Ich muss gehen. Ich treffe mich mit meinen Leuten. Das sind Leute, die mich inspirieren.“

Sprach’s und war verschwunden.

 

Später. Zu Hause.

 

Immer, wenn ich verstört bin vom plötzlichen Einbruch der Realität in mein Leben, bleibe ich bei meiner Routine. Und so ging ich nach Hause und arbeitete weiter an meinem Projekt 1 Million Euro. Ich las Der Weg zur finanziellen Freiheit – und stieß auf ein interessantes Kapitel, in dem Bodo Schäfer schreibt:

Es geht darum, als ganzer Mensch zu wachsen und zu der Persönlichkeit zu werden, die Erfolg magisch anzieht. Umgeben wir uns mit besseren Leuten, werden wir besser. Umgeben wir uns mit demotivierten Leuten, stagnieren wir. Wir brauchen Menschen um uns herum, von denen wir uns etwas abschauen können. Ich habe es mir darum zur Angewohnheit gemacht, jeden Monat mindestens eine neue, interessante und auf einem Gebiet erfolgreichere Person, als ich es bin, kennen zu lernen. (Schäfer, S. 158)

 

Bodo Schäfer empfiehlt, nur mit Leuten zusammen, die mich weiter bringen in meinem Vorhaben, bzw. die mich inspirieren. Außerdem müssen diese Leute mehr Geld haben als ich. Ratschläge darf ich nur von Leuten annehmen, die bereits dort sind, wo ich gerne sein möchte.

Bisherige Freunde muss ich aussortieren, sie haben mich nur bis dahin gebracht, wo ich jetzt bin – und nicht weiter. Freund, die negativ und kritisch sind, braucht man nicht.

Als ich das las, fühlte ich mich wie in der Twilight Zone: Realität und Fiktion wurden auf bizarre Weise zur Deckung gebracht.

Harald musste das gleiche Buch gelesen haben.

Allerdings war er tatsächlich dazu bereit, danach zu handeln. Ich nicht. Bodo Schäfers Empfehlung des Freunde-Aussortierens widerspricht meinem grundsätzlichen Humanismus: Freunde sind auch da, wenn es einem selbst (oder ihnen) schlecht geht. Und wenn ein Freund drauf und dran ist, etwas anzustellen, was meines Erachtens völliger Blödsinn ist, dann sehe ich es als meine freundschaftliche Pflicht an, ihn darauf aufmerksam zu machen.

Dies ist wohl der Grund, warum so viele Reiche unzufrieden sind: Sie sind zwar reich, haben aber vorher alle ihre Freunde aussortiert!

Fazit: Hier hat das reich werden eine Grenze, die ich nicht überschreiten will.