Vampirismus und Parapsychologie

Kontostand:                  -1228,68

Ausgaben:                     00,00

Einnahmen:                  00,00

Verwendungszweck:       –

So, heute hat die Sekretärin des Käufers meiner Bilder angerufen, Herr Schubert, er will mich kennen lernen. Demnächst werden wir einen Termin vereinbaren.

Die Gretchenfrage: Was soll ich anziehen?

Oder allgemeiner: Wie soll ich mich präsentieren?

Werde mich mal mit Isi, Mia und Orell besprechen. Vielleicht hat Lukas ja auch noch eine Idee.

 

In der Zwischenzeit lese ich weiter in Galvez‘ Buch.

Entsprechend den Kapiteln „strategische Selbstinszenierung“ und „Die Tools aus Hollywood“ beginne ich, meine neue, erfolgreiche Persönlichkeit, die Figur, die ich von nun an darstellen will, zu entwickeln. Dies geschieht in mehreren Schritten.

Gálvez empfiehlt, sich ein so genanntes High Concept zu suchen, ein übergeordnetes Thema, das meine Persönlichkeit interessant macht und gleichzeitig zu mir passt, d.h. authentisch ist. Es sollen ein oder zwei Sätze sein, die kurz und prägnant die entscheidenden Fragen beantworten: Wer bin ich? und was mache ich?

Die Antwort soll einen anhaltenden positiven Effekt beim Zuhörer erzielen (und möglichst unterhaltsam sein) und somit den Grundstein des Erfolges legen.

Das ist einfach. Als Literaturwissenschaftler bin ich ja bestens vertraut mit Figurencharakterisierung.

Also los.

Das High Concept soll vier Kriterien erfüllen: Es muss einen starken Titel haben, einen massenkompatiblen Stoff bieten, es soll außerdem die Notwendigkeit zum Handeln mit sich bringen und es muss einzigartig sein. Außerdem muss das ganze auf eine Karteikarte passen.

Die gute Nachricht ist, dass Gálvez schreibt, dass man ständig am High Concept arbeiten muss und es sich auch ändern kann, bzw. sogar soll – bis es schließlich perfekt ist. Mein erster Erfolg:

Ich bin Doktor für Vampirismus und Parapsychologie. Ich analysiere, was den Menschen Angst macht und erkläre, warum es ihnen Angst macht – anhand von Horrorliteratur.

Daraus lassen sich witzige Party-Gespräche entwickeln. Da ich weiß, dass der Anblick klaffender Wunden ist für die meisten Menschen schwer zu ertragen ist, kann ich mir gut vorstellen, wie ein Gespräch darüber am kalten Buffet einer Party verläuft. Hinweise auf Augapfelsuppe und eitrige Pestbeulen würden mir bestimmt die Sympathie und Bewunderung der Partygäste sichern. Oft haben die Betroffenen gleichzeitig eine panische Angst vor Spritzen und ärztlichen Eingriffen aller Art. Als alter Hypochonder fallen mir da auf Anhieb einige witzige Anekdoten ein. Andererseits soll das ganze allerdings unterhalten und positiv auf das Gegenüber wirken, also sollte ich dieses High Concept wohl besser noch einmal überdenken.

Wenn ich als Fotograf auftreten will und meine Bilder hochpreisig an den Mann bringen will, ist diese Art von High Concept wohl auch eher kontraproduktiv…


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: