nicht vermarktbar

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Eine herbe enttäuschung: Ich bin nicht vermarktbar. Jetzt hab ich’s quasi schwarz auf weiß.

Der Reihe nach.

Heute war der Reporter da, ein hektischer, untersetzter Mann in einem schlecht sitzenden Anzug.

Ich bat ihn ins Wohnzimmer, er kam gleich zum Thema: Ich solle ihm erzählen, was ich besonderes in meinem Leben gemacht habe. Er schaltete ein Aufnahmegerät ein und nickte mir zu.

Was arbeiten Sie denn so?

Ich sagte es ihm, er war wenig begeistert. Da kann man keine Werbung mit schalten.

Was arbeitet ihre Frau denn so?

Ich sagte es ihm, er war noch weniger begeistert. Da kann man erst recht keine Werbung mit schalten.

„Erzählen Sie mir etwas über sich.“

Ich fing an mit meinem beruflichen Werdegang, Studium etc. Die Promotion über Horror-Literatur entlockte ihm lediglich das Heben einer Augenbraue. „Na ja, promoviert hat heutzutage ja eh jeder.“ Ach so.

Weiter: Ich zeigte im das Karate-Dojo im Keller. Ich bin Karate-Trainer. „Nix besonderes. Das macht ja meine Tochter auch schon. Die ist zwölf.“ Ich fragte, in welchem Verein sie sei, er nannte mir den Namen. „Was für ein Zufall – den Verein habe ich vor zehn Jahren gegründet, als integrativen Verein, also Karate mit Behinderten!“ Na ja, das mit den Behinderten sei nicht so toll, meinte er, die können kein Karate, da kann seine Tochter nichts davon lernen.

Im Proberaum: Wenig beeindruckt. Er hat schon mal einen Proberaum gesehen, da standen zwei Schlagzeuge. Und größere Verstärker. Wo? Das weiß er nicht mehr, aber er ist sich ziemlich sicher.

Mein Trumpf: Die Fotos!

Aber: Da ist ja nur Rost drauf. Wie kommt man darauf, dass man so etwas fotografiert? Er kennt da jemanden, der macht so wunderschöne Landschaftsaufnahmen. Panoramas. Die setzt er dann aus mehreren Fotos zusammen. Das ist halt was.

Ich kann nur Rost.

Blick auf die Uhr. Noch fünf Minuten Zeit, dann wartet schon der nächste Termin.

Hinter der letzten Tür: Flipper, ein Kicker, Video-Spielautomaten.

Seine Augen fingen wenigstens ein bisschen an zu leuchten glimmen

Er zeigte keine besondere Regung, sagte nur „ich muss schnell nach oben“ und tauchte mit Kamera und Stativ wieder auf. Kamera drauf, schnell ein paar Fotos. „Na ja, das ist wenigstens ein bisschen interessant. Besser als nix.“

Auf dem Weg nach oben meinte er nur, er hätte seine Zeit verschwendet. Er hätte viel lieber jemanden interviewt, der sich vermarkten lässt: Der dann Anzeigenplatz in seiner kostenlosen Zeitschrift kauft oder dessen Arbeitgeber Werbung in seiner Zeitschrift machen will. Aber so bringt das für ihn rein gar nichts.

Er ging, ohne sich für den Kaffee zu bedanken.

Von der Mission 1 Million hab ich nichts erzählt.

Ich bin nicht vermarktbar.

Misto.

Ich konzentriere mich lieber auf’s Fotografieren.

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