mehr Engel

Kontostand:                 -2195,26

Ausgaben:                    00,00

Einnahmen:                  00,00

Verwendungszweck: –

Noch ein paar Fotos von der Statue gemacht. Hochformat.

Lässt sich da wirklich was rausholen?

Ich muss mir meine Vorschläge für Bechstein gut überlegen, schließlich will ich mich ja nicht blamieren.

Als ich gerade am Boden kniete, Zoom voll ausgefahren und im Sucher Belichtung und Focus kontrollierte, merkte ich, wie sich jemand neben mich stellte. „Ich mach jetzt das Foto, alles andere kann warten“ dachte ich mir und zeigte mich unbeeindruckt.

Nachdem ich fertig war, sah ich auf und versuchte im Gegenlicht der Sonne auszumachen, wer mich da belästigt. „No, wos mochn’s do“ hörte ich einen starken österreichischen Akzent, „Sie fotografiern mein Privateigentum.“

Ich stand auf und sah mich einem untersetzten glatzköpfigen Mann im Anzug gegenüber.

„Keine Angst,“ versuchte ich zu beruhigen – denn die meisten Menschen haben tatsächlich Angst, wenn man ihr Privateigentum fotografiert – „ich fotografiere nur rostige Dinge und behaupte, es sei Kunst.“ Zum Beweis zeigte ich ihm auf dem Display meiner Kamera, was ich gerade fotografiert hatte. Er warf einen mikrosekundenlangen Blick auf den Bildschirm und meinte dann in abwertendem Ton: „No, donn mochn’s mal ruhig weiter. Der wahre Künstler ist nämlich do drinnen und erschafft gerade eine Skulptur.“ (insert: überhebliches Zupfen am Anzugaufschlag)

Da er offensichtlich auf eine Reaktion wartete, bot ich sie ihm: „Darf ich dem wahren Künstler vielleicht bei der Arbeit zusehen?“ – „No, genga’s rein, da können’s was lernen.“

Schon stand ich im Halbdunkeln zwischen Schmelzöfen und Alteisen und Gipsformen für Statuen. Der wahre Künstler stand daneben, begutachtete Metallmischungen und schaufelte dann aus verschiedenen Eimern verschiedenfarbige Späne herum.

Wie sich herausstellte, befand ich mich auf dem Gelände einer ehemaligen Eisengießerei. Nach der Jahrtausendwende wurde das Gebäude und alles Drum und dran zu einem Eventgelände umgestaltet, das sich aber nur zehn Jahre hielt. Vor ein paar Jahren dann hatte der Österreicher das ganze aufgekauft, die Eisengießerei reaktiviert und einen Künstler angestellt, der hier mit seinen Mitarbeitern Eisenskulpturen anfertigt.

Ich durfte nach herzenslust fotografieren, jedoch bat mich der Künstler, keine relevanten Fotos ins Internet zu stellen. Wir einigten uns auf ein unscharfes Bild, auf dem die Anonymität der abgebildeten Personen gewährt ist. Wenn es um Fotos geht, sind die Leute seltsam. Besonders Künstler.

 

 

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s