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Authentizität

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Ich warte immer noch auf das Buch zur Selbstvermarktung.

Ein strahlender Tag im Herbst, der allerdings bei genauerer Betrachtung verstörende Bilder mit sich brachte:

Während ich unter dem Strommasten auf dem Feld hinter unserem Haus lag und meditierte, kam Orell vorbei und brachte mir etwas von seinem Altpapier mit:

Nur echt kommt weiter – Menschen, die zu ihrer Eigenart stehen, sind erfolgreicher als Mitläufer“ – so schreibt der Focus in seiner Ausgabe vom 15. November 2010 (46/10). Diese Ausgabe ist betitelt mit Mut zum Ich – wie Authentizität erfolgreich macht und scheint somit wie geschaffen für mein Millionenprojekt.

Allerdings brauche ich dringend Nachhilfe, was den Begriff Authentizität betrifft. Früher genügte es noch, wenn ich ich selbst war, heute muss ich anscheinend authentisch sein. Wie immer, recherchiere ich zunächst auf meiner Lieblings-Internetplattform und finde folgenden Eintrag:

Authentizität (von gr. αυθεντικός authentikós „echt“; spätlateinisch authenticus „verbürgt“, „zuverlässig“) bedeutet Echtheit im Sinne von „als Original befunden“. Das Adjektiv zu Authentizität heißt authentisch.“

Des weiteren heißt es hier, dass als authentisch gilt, wenn die sich Schein und Sein tatsächlich decken und als übereinstimmend befunden werden und eine Täuschung, bzw. Fälschung somit ausgeschlossen werden kann.

Ich muss also, um erfolgreich zu sein, die beiden Facetten meiner Persönlichkeit, mein äußeres Bild und das, was tatsächlich vorhanden ist in meinem Innern, zur Übereinstimmung bringen.

Zunächst werden Beispiele genannt von erfolgreichen Personen, die irgendwelche Macken oder sogar Makel haben. Rainer Calmund ist deshalb so beliebt, weil er behäbig ist und übergewichtig. Heidi Klum ist deshalb unbeliebt, weil sie so perfekt ist – das Fazit: „Nun ist Persönlichkeit statt Perfektion gefragt.“

Genau genommen bedeutet das allerdings lediglich, dass es aktuell wichtig ist, dass ein Mensch in einem Bereich sehr stark ausgeprägte Persönlichkeitsmerkmale aufweist, wenn er erfolgreich sein will. Ob diese Merkmale authentisch sind oder nicht, sei dahin gestellt. Wenn sich jemand z.B. im Fernsehen als dumm, unsympathisch und arrogant präsentiert, ist er sicher eine Persönlichkeit, das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass diese Charaktereigenschaften authentisch sind. Es kann sich ebenso gut um eine medienwirksame Rolle handeln, die sich eine Person angeeignet hat, um erfolgreich zu sein. In diesem Sinne ist das, was als Heidi Klums Perfektion beschrieben wird – etwas, das nicht mehr verbessert werden kann, nämlich ihr Aussehen – eigentlich auch ein Teil ihrer Persönlichkeit.

Ach ja: Der zweite Teil der Definition des Begriffs Persönlichkeit wird normalerweise unterschlagen, nämlich „die Gesamtheit der persönlichen Eigenschaften eines Menschen.“ Was weithin unter Authentizität, bzw. Persönlichkeit versanden wird, ist wohl auf ein gewisses Schubladendenken zurückzuführen. Man ist froh, wenn man gerade nicht alle Eigenschaften eines Menschen kennen muss, sondern ihn lediglich einordnen kann als „den Dicken“, „die Schöne“, „die Naive“, „der Fiese“ etc.

Es scheint mir, als seien die Begriffe Persönlichkeit und Perfektion keineswegs sich ausschließende Gegenteile. Ich lese weiter. Es geht darum, dass Perfektion unattraktiv ist. Wie sieht das denn z.B. bei der Sixtinischen Kapelle aus, ist die denn auch unattraktiv?

Endlich eine gute Nachricht, ein Bereich, in dem ich mich fast nicht mehr verbessern kann. Ich wittere meine Chance: Ich bin sehr launisch und in Diskussionen tendiere ich dazu, jeden gnadenlos niederzubügeln, der nicht meiner Meinung ist (=apodiktisch: keinen Widerspruch zulassend). Ich kann nur schlecht kopfrechnen und außerdem habe ich tiefe Furchen auf der Stirn, wo sich bei anderen noch nicht einmal ein mildes Fältchen anzeichnet Ich bin also bereits authentisch, ich habe Profil, zeige Ecken und Kanten! Mit der Authentizität ist gleichzeitig Charisma verbunden, so Focus.

Was genau Charisma ist, finde ich in der Online-Ausgabe der Zeitschrift (http://www.focus.de/wissen/bildung/charisma/charisma_aid_27175.html): „Man findet einen Menschen charismatisch, der anders ist als man selbst – einen, der genau so ist, wie man selbst es gern wäre“, wird die Buchautorin Gloria Beck (Verbotene Rhetorik) zitiert. Da die Wünsche vieler Menschen ähnlich sind, empfinden sie hinsichtlich des Charismas einer Person ähnlich. Charismatische Menschen haben somit die Möglichkeit, andere zu manipulieren. Sie erkennen intuitiv die Wünsche und Sehnsüchte anderer und veranlassen diese dann, in ihrem Sinne zu handeln, beispielsweise per kostenpflichtiger Telefon-Hotline einer Fernseh-Casting Show für einen bestimmten Kandidaten zu stimmen. In diesem Fall kann Charisma sogar als Widerspruch zur obigen Definition von Authentizität gesehen werden. Eine charismatische Person muss nicht einmal selbst sehr emotional sein, es genügt, wenn sie so tut als ob und es schafft, glaubhaft zu vermitteln, es zu sein.

Das Schlüsselwort ist Empathie: Die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen, Absichten eines anderen Menschen zu erkennen. Dies kann einerseits zu Altruismus führen, aber genau so gut missbraucht werden: Ein Folterer weiß durch Empathie, wie er sein Opfer „erfolgreich“ quälen kann – genau so, wie ein TV-Moderator einer Casting Show weiß, wie er die gesamte Intelligentsia zum Wahnsinn treiben kann. Ironischer Weise wird dieses berechnende Agieren, bzw. Polarisieren wiederum als authentisch empfunden.

Ich bin in einer Sackgasse gelandet.

Selbstbezug: siehe Selbstbezug. Misto.

Ich muss also wirklich lernen, zu einer Persönlichkeit zu werden und Authentizität und Charisma zu entwickeln.

Doch wie stelle ich das am besten an?

„Zur Bewahrung von Authentizität sind sehr weitreichende Kulturtechniken entwickelt worden“, schreibt mein Internet (Wiki). Welche Techniken das genau sind und wie sie funktionieren, darüber schweigt es sich aus.

Auf der Suche nach Kulturtechniken finde ich:

Fässer, in denen hochtoxische Substanzen gelagert werden, die Menschen zu Zombies machen. Zum Glück hab ich meine Kamera immer dabei – sonst würde mir niemand glauben!

Zum Glück nicht hinter unserem Haus.

Die Zombie-Thematik macht mich langsam paranoid.

Und ich habe immer noch keine Ahnung, wie ich mein Drehbuch vermarkten soll.


Die Persönlichkeit verändern

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Jetzt werde ich mich darauf konzentrieren, mir Techniken anzueignen. Ich bestelle Bücher der anderen beiden Kategorien:

a)      Technik-Bücher: Brainstorming, Zeitmanagement. Vermitteln Methoden, um die Kompetenz in einem bestimmten Bereich zu steigern. Sind das Handwerkszeug, um erfolgreich zu werden, falls in einem dieser Bereiche Defizite bestehen.

b)      Persönlichkeitsbücher: Anleitungen zur positiven Veränderung der Persönlichkeit. Ich bin gespannt.