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Solarenergie

Kontostand:                 +

Anruf von Tom, die Vernissage hat ihm sehr gut gefallen, er hat eine Menge neue Leute kennengelernt und viele Kontakte knüpfen können. Sogar einige feste Engagements für den Sommer hat er bekommen (für Musiker ist der Sommer immer saure Gurken Zeit).

Er lädt uns für nächsten Samstag, 31. März ein zu einer Feier des Bassisten – wieder in dem alten Haus an der Stadtmauer. Das ganze nennt sich „Michis Nacht“ und dauert von 18-18 Uhr. Ich kann mein Schlagzeug mitnehmen und dort über Nacht stehen lassen, wenn ich will.

Cool.

Ich nehme natürlich gleich mein Vintage Set mit. Leider werde ich bis Samstag wohl keine Vintage Becken mehr dazu bekommen. Aber ich spiele natürlich mit der 70er Hihat, die ich vor einiger Zeit gebraucht gekauft habe.

Außerdem habe ich mittlerweile einen völlig neuen Bezug zu Michis Haus: Er ist Architekt und hat beim Umbau seines Hauses ein Kinderskelett gefunden, das in der Stadtmauer (=die Rückwand des Hauses) begraben war. Eine forensische Anthropologin analysiert, dass das Skelett aus dem 30 Jährigen Krieg stammte.

Als Ex-Skelettbesitzer werde ich finde ich da bestimmt reichlich Gesprächsstoff.

Heute zum Meditieren an der Tankstelle gewesen, die Kassiererin wollte mich ernsthaft am Fotografieren hindern:

Solarenergie.


Rote Punkte

Kontostand:                 +

Ausgaben:                    00,00

Einnahmen:                  00,00

Verwendungszweck: –

Nachtrag zu gestern: Eröffnungstag der Ausstellung. „Einfach nur Felix“ kam sonnenbebrillt mit ein paar Geschäftsfreunden vorbei. Diese Geschäftsfreunde kauften mir – relativ kritiklos, muss ich gestehen – einfach so die Hälfte meiner Bilder ab, für Summen, für die ich mich fast schäme.

„Einfach nur Felix“ hatte einen Aufkleberbogen mit roten Punkten dabei und führte seine Freunde wie bei einer Verkaufsmesse von Stellwand zu Stellwand, während er redete und redete und von Zeit zu Zeit rote Punkte neben meine Bildbeschreibungen klebte.

Am Ende war der Spuk vorbei, so schnell, wie er begonnen hatte, die ganze Meute verließ händeschüttelnd den Ausstellungsraum und nur Felix blieb noch kurz zurück, um mir die restlichen roten Punkte in die Hand zu drücken und zu sagen „Die brauchen Sie vielleicht noch“.

Ich bin immer noch konsterniert.

Eitelkeit: Eigentlich hätte ich den Leuten lieber meine Bilder erklärt, bevor sie sie kaufen. Aber ich schätze, man kann nicht alles haben.

Eine Kröte muss man schlucken: Kunst oder Kohle?

Hier: Kohle.

Heute Orell, Mia, Lukas und Syl angerufen und für 15:00 auf das Sonnendeck einbestellt. Drei ist gut, dachte ich mir, dann habe ich mit Isi noch Zeit zum Relaxen.

Dachte ich mir.

Fünf Minuten später läutet es an der Tür, Orell und Mia stehen draußen. „Etwas kurzfristig: um fünf vor drei anrufen, dass wir um drei hier sein sollen.“ Orell grinste. „Zeitumstellung vergessen?“

Misto.

Irgendwo auf der Welt ist es bestimmt fünf, sagten wir uns und begannen, Whisky zu trinken.

Die Kinder machten Saltos auf dem Trampolin, ich in meinem Kopf.


Karaoke Party

Kontostand:                 -377,26

Ausgaben:                    00,00

Einnahmen:                  00,00

Verwendungszweck: –

Gestern war’s großartig alles hat geklappt wie am Schnürchen, und sogar besser: Zuerst die Vernissage. Musik – Rede des Gastgebers – Musik – Rede des örtlichen Kulturreferenten – Musik – meine Rede („Das Büffet ist eröffnet. Betrinkt euch.“ – tosender Applaus).

Die mehr als 50 Gäste stürmten das Büffet, die Bar und dann mit Sektgläsern und Lachshäppchen in der Hand die Galerie – wo tatsächlich ernsthaft über meine Bilder diskutiert wurde! Je fortgeschrittener die Stunde, desto ernsthafter wurde diskutiert, wobei der Alkohol dann noch ein Übriges tat.

Irgendwann setzte sich Tom (der Pianist) wieder hinter das Klavier und Christine (die Sängerin) begann wieder zu singen. Das ging dann bis um ca. 22:30 so, bis die Rufe nach mehr Alkohol und mehr Instrumenten laut wurden.

Die Feier wurde kurzerhand zu uns nach Hause verlegt. Fahrgemeinschaften wurden gebildet und so war wenig später der Wendehammer vor unserem Haus voll Autos und unser Haus selbst voll Leuten. Und die Leute voll Alkohol.

Nicht zu fassen: Orell, Lukas und Syl haben eine Platte mit Häppchen gebunkert!

Es stellte sich heraus, dass unter den Gästen einige Gitarristen waren, also wurden die Gitarren meiner Sammlung verteilt. Das Keyboard wurde eingestöpselt, ein paar Mikrofone auch, und dann ging es los, wie auf einer Karaoke-Party.

Fun Fact: Art Bechstein spielt auch Schlagzeug und bewunderte mein Pearl Set aus den frühen 90ern („Die Sets von damals haben den besten Drumsound, den es gibt“).

Herr Schubert war ebenfalls da und spielte Klavier (wie sollte es bei diesem Namen auch anders sein) und Bechsteins Managerfreund („einfach nur Felix“) sang zweistimmig – laut und falsch – Cocaine.

Um 3 Uhr war dann Schluss.

Um etwas herunter zu kommen, sah ich mir noch die Thicker Than Water DVD von Jack Johnson an, und ging dann um vier ins Bett, schließlich soll ich heute den ersten Tag der Ausstellung begleiten.


heiße Phase

Kontostand:                 -377,26

Ausgaben:                    50,00

Einnahmen:                  368,00 – 500,00 – 1000,00

Verwendungszweck: Büromaterialien (Powerstrips, Druckerpapier etc.)

Heute sind die Einnahmen meiner Bücher auf das Konto überwiesen worden: 368 €!

Selbsthilfe Bücher zum Thema Reichtum sind nach wie vor der Renner.

Außerdem hab ich festgestellt, dass bereits vor zwei Wochen zwei weitere Sponsoren Geld auf mein Konto überwiesen haben: einmal 500€ und noch einmal 1000€

Den Überblick über die Ausgaben der letzten Tage (Bürobedarf etc.) habe ich leider verloren und setze ich deshalb mit ca. 50€ an.

Alle Bilder in den VW Bus eingeladen, und ab geht es zur Ausstellung.

 

Zwischenbericht: Alles gut gegangen, die Bilder hängen.

Schlechtes Zeichen: Wenn ich heute noch etwas poste, war’s nur mittel

Gutes Zeichen: Wenn ich heute nichts mehr poste.


Countdown to Meltdown

Kontostand:                 -2195,26

Ausgaben:                    00,00

Einnahmen:                  00,00

Verwendungszweck: –

Vormittags noch die letzen Besorgungen gemacht (Power Strips, Reservedraht, doppelseitiges Klebeband), einen Stapel Bücher zur Post gebracht (ich bin ein seriöser Verkäufer!) und dann noch die Texte zu den Bildern ausgedruckt.

Warum Texte?

Na ja, ich selbst schätze meinen künstlerischen Status noch nicht so hoch ein, als dass ich es wagen könnte, die Ausstellungsbesucher mit abstrakten rostigen Bildern allein zu lassen. Deshalb habe ich – nach ausgiebiger Recherche – Beschreibungen zu den Bildern verfasst, die ich dann drunter/dran klebe.

Morgen wird’s dann ein bisschen eng, was den Zeitplan betrifft: Um 13:00 Uhr sind die Schulungen zu Ende, die Vernissage mit den geladenen Gästen beginnt um 19:00 Uhr. Davor müssen

a) Die Stellwände aufgestellt werden

b) Die Bilder aufgehängt werden

c) Die Beschreibungen angebracht werden.

Was sich hier so leicht anhört, ist eine etwas diffizilere Geschichte. Es muss tatsächlich ein Rädchen ins andere greifen.

Falls nichts schief geht, bin ich um 17:00 Uhr zu Hause, dusche, ziehe mich um (weißes Hemd, Sakko, schwarze Schuhe, und Jeans – schließlich bin ich cooler Künstler) und fahre dann wieder zur Ausstellung, so dass ich um 18:00 den Aufbau des Büffets überwachen kann und kurz mit der Band Soundcheck mache.

BTW: Erinnert sich noch jemand an den alten Commodore 64 Spiele-Klassiker Countdown to Meltdown? Man muss einen Atomreaktor vor der Überhitzung bewahren. Beängstigend zeitgemäß für ein Spiel von 1986.

Der Count Down läuft.

Immerhin sind gerade noch rechtzeitig die beiden letzten Bilder angekommen.

Später noch Bandprobe.

Das muss sein. Zur Entspannung.

Musik und Whisky!


Am seidenen Draht

Kontostand:                 -2195,26

Ausgaben:                    00,00

Einnahmen:                  00,00

Verwendungszweck: –

Bücher zur Post gebracht. Lukas hat mir geholfen.

Außerdem: Den restlichen Tag lang Aufhängungen für die Bilder gebastelt: Haken, an denen Drähte hängen, an denen Haken hängen. Das ganze soll gleich lang sein, sonst sieht’s ja komisch aus.

Der Plan: Sobald die Räume frei sind und die Stellwände aufgestellt sind, befestige ich die Haken an den Stellwänden und die Bilder an den Haken.

So einfach ist das.

Leider stellte sich später heraus, dass die verwendeten Silberdrähte zu dünn waren (0,4mm), und so

a) erst die Knoten verrutschten, was dazu führte, dass alle Drähte unterschiedlich lang waren

b) die Drähte abrissen, sobald die Bilder dran hingen und auch nur die kleinste zusätzliche Belastung dazu kam.

Also: Zurück auf Los. Alles noch mal von vorne. Diesmal mit dickerem Draht (0,6mm). Noch dicker und die Drähte hätten ausgesehen wie Blumendrähte.


Gewaltprävention durch meditatives Trommeln?

Kontostand:                 -2195,26

Ausgaben:                    00,00

Einnahmen:                  00,00

Verwendungszweck: –

War heute schon mal in den Ausstellungsräumen und habe die Gegebenheiten begutachtet. Konnte leider nicht schon früher rein, da das ganze regulär als Tagungsraum genutzt wird und diese Woche noch Seminare statt finden.

Ich erhielt von einem freundlichen Mitarbeiter eine Führung: Haupträume inklusive Abstellkammer.

Neben allerlei Werkzeug fand ich hier versteckt: Ein kaputtes Schlagzeug!

Auf die Frage, was es mit dem Drumkit auf sich habe, antwortete der freundliche Mitarbeiter, das sei mal angeschafft worden, um es für irgendeine dubiose Gruppendynamik-Schulung zu verwenden.

Dem Zustand nach, war die Gruppendynamik-Schulung nicht sehr erfolgreich, denn das Fell der Bassdrum war eingetreten, die kupferfarbene Folierung teilweise gerissen. Außerdem war es schon ziemlich alt, denn die Snare war über und über mit Flugrost bedeckt. Man konnte gerade noch erkennen, dass es sich wohl mal um eine Stahl-Snare gehandelt hat.

Ich bot an, das Schlagzeug zu reparieren und neue Felle aufzuziehen, doch der Mitarbeiter winkte ab: Das ist so alt, das rentiert sich nicht mehr. Wenn sie wollen, können sie es mitnehmen. In einem der Schränke sind auch noch ein paar andere Trommeln.

Als das Handy des Mannes klingelte, sah ich mich in der Abstellkammer um und entdeckte tatsächlich noch drei Toms: 12“, 13“ und 16“ – seltsame Größenabstimmung. Alle drei kupferfarben und mit dem Label Oakland. Eine kaputte Fußmaschine, zwei verbogene Beckenständer. Leider keine Becken.

Der freundliche Mann half mir sogar, das Schlagzeug ins Auto zu bringen.

Zu Hause schlug Isi die Hände über dem Kopf zusammen („Was du immer anschleppst!“) und Orell und Lukas bogen sich vor Lachen. Die Kinder fanden besonders das kaputte Trommelfell spannend – ob der unkontrollierten Gewalt.

E-Mail Konto gecheckt: Das läuft fast über vor lauter Buch-Bestellungen! Habe die Millionärs-Bücher inseriert und dann leider vergessen.

Also: Packzettel und Etiketten gedruckt, aufgeklebt, sortiert etc. Isi, Lukas und Orell haben geholfen. Heimarbeit macht Spaß.